Denkt euch, ich habe das Christkind gesehn! Es kam aus dem Wald, das Mützchen voll Schnee, mit rotgefrorenem Näschen. Die kleinen Hände taten ihm weh, denn es trug einen Sack, der war gar schwer, schleppte und polterte hinter ihm her. Was drinnen war, möchtet ihr wissen? Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack – denkt ihr, er wäre [...]
Heinrich Heine Die heil’gen Drei Könige aus dem Morgenland, sie frugen in jedem Städtchen: “Wo geht der Weg nach Bethlehem, ihr lieben Buben und Mädchen?” Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht, die Könige zogen weiter, sie folgen einem goldenen Stern, der leuchtete lieblich und heiter. Der Stern blieb steh’n über Josefs Haus, da [...]
Ich wünsche mir ein Schaukelpferd, ‘ne Festung und Soldaten Und eine Rüstung und ein Schwert, Wie sie die Ritter hatten. Drei Märchenbücher wünsch’ ich mir Und Farben auch zum Malen Und Bilderbogen und Papier Und Gold- und Silberschalen. Um weiße Tiere auch von Holz Und farbige von Pappe, Um einen Helm mit Federn stolz Und [...]
Bruno Horst Bull Nur noch einmal wird es dunkel, nur noch einmal wird es Nacht. Wird es wieder Abend werden, hat Knecht Ruprecht was gebracht. Aus dem Walde wird er kommen, wo verschneite Tannen stehn, und sechs große zahme Hirsche sind vor dem Gefährt zu sehn. Glocken klingen, und der Schlitten ist bis obenhin bepackt. [...]
James Kruess Die Weihnachtsmaus ist sonderbar (sogar für die Gelehrten), denn einmal nur im ganzen Jahr entdeckt man ihre Fährten. Mit Fallen oder Rattengift kann man die Maus nicht fangen. Sie ist, was diesen Punkt betrifft, noch nie ins Garn gegangen. Das ganze Jahr macht diese Maus den Menschen keine Plage. Doch plötzlich aus dem [...]
Heinz Erhardt Der Karpfen kocht, der Truthahn brät, man sitzt im engsten Kreise und singt vereint den ersten Vers manch wohlvertrauten Weise. Zum Beispiel “O, du fröhliche”, vom “Baum mit grünen Blättern” – und aus so manchem Augenpaar sieht man die Tränen klettern. Die Traurigkeit am Weihnachtsbaum ist völlig unverständlich; man sollte lachen, fröhlich sein, [...]
Heinz Erhardt Tiefgefroren in der Truhe liegt die Gans aus Dänemark. Vorläufig läßt man in Ruhe sie in ihrem weißen Sarg. Ohne Bein, Kopf und Gekröse ruht sie neben dem Spinat. Ob sie wohl ein wenig böse ist, daß man sie schlachten tat? Oder ist es doch zu kalt ihr? Man sieht’s an der Gänsehaut [...]
oseph Freiherr von Eichendorff Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh’ ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus ins freie Feld, Hehres Glänzen, [...]
Kurt Tucholsky Was schenke ich dem kleinen Michel zu diesem kalten Weihnachtsfest? Den Kullerball? Den Sabberpichel? Ein Gummikissen, das nicht näßt? Ein kleines Seifensiederlicht? Das hat er noch nicht. Das hat er noch nicht! Wähl ich den Wiederaufbaukasten? Schenk ich ihm noch mehr Schreibpapier? Ein Ding mit schwarzweißroten Tasten; ein patriotisches Klavier? Ein objektives Kreisgericht? [...]
Hilde Fürstenberg Im Tale sind die Blumen nun verblüht Und auf den Bergen liegt der erste Schnee. Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht, In Eis verwandelt ist der blaue See. Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit Und in des Winters Kälte angstvoll gehen, Könnt ich in aller tiefen Dunkelheit Nicht doch ein Licht [...]